Hinter den Kulissen

Seit den Anfängen unserer Tätigkeit haben wir die Produkte unserer Kollektionen selbst entwickelt – dabei vor allem die Essenzen, das spätere Herzstück unserer Produktion. Die Kompositionen aus Extrakten, ätherischen Ölen, Harzen und anderen Duftstoffen bilden die Grundlage der Parfums und Eaux de Toilette unserer Sortimente, sowie der Badeprodukte und Raumdüfte.

Herz und Seele einer Maison de Parfumerie sind natürlich der Duft, die Kreation der Düfte und die Philosophie als dahinterstehendes künstlerisches Empfinden. Daraus ergibt sich die magische Alchemie aus Duftstoffen, die starke Emotionen, Leidenschaft und Gefühle hervorrufen und Reisen in unbekannte, jedoch immer schon erträumte und herbeigesehnte Fantasieländer ermöglichen sollen. So entstehen Visionen und sinnliche Erlebnisse, die völlig frei durch Zeit und Raum in imaginäre Landschaften entführen.


Wir wissen, dass unser Unternehmen dieses außergewöhnliche und komplexe Ritual der Parfumkreation als eines der wenigen vom Anfang bis zum Ende ausführt. Es beginnt mit der Idee, dem Traum und der Lust, und führt dann zur sorgsamen Übertragung in Form von Kompositionen aus Essenzen. Für diesen Prozess bedarf es Monate und mitunter Jahre an Forschungsarbeit und Tests, wobei man sich immer ein Stück weiter an die vorgestellte und „gerochene“ Duftnote – an den duftenden Traum – annähert. Ein über die Jahre verfeinerter und perfektionierter Weg führt schließlich zum Endprodukt.


Als wir unsere Tätigkeit im Mai 1990 begannen, war keine Zeit zu entscheiden, ob und was wir herstellen oder nicht herstellen wollten. Diesem Schritt vorangegangen war seit 1981, dem Jahr der ersten Reise in den Nahen Osten, eine Phase der Tests und Experimente, die wir mit großer Begeisterung unternahmen. Mit selbstgemachten Etiketten stellten wir damals unter dem provisorischen Namen „Atelier dei Profumi“ einige Produkte für uns selbst und persönliche Düfte für Freunde her. Zu dieser Zeit fragten einige bekannte Marken der italienischen Modewelt und Unternehmen aus anderen Ländern bei uns an, ob wir mit ihnen und für sie Duftprodukte entwickeln und herstellen wollten. Die Entscheidung musste rasch getroffen werden, und ohne dass es mir wirklich bewusst wurde, war das Kreieren von Düften plötzlich nicht mehr nur meine private Passion. Nach etlichen Tagen der Aufregung und Unsicherheit beschloss ich, mein Hobby zum Beruf zu machen, und zwar in einem damals noch fast unbekannten Gewerbe als „Parfum-Macher“. Ein „Parfumeur“ kreiert, im Gegensatz zu einem „handwerklichen“ Parfum-Macher, nur den Duft, also die Komposition der Essenzen.

So entstanden die ersten Produkte unserer Kollektion – es handelte sich um Produkte für den Wohnbereich wie Duftkerzen und Potpourris. Dies ist auch der Erfahrung zu verdanken, die wir damals gemeinsam mit verschiedenen Modemarken sammeln konnten, die noch einen direkteren und persönlicheren Bezug zu ihrem Geschäft hatten. Später entwickelten wir die Form des Flakons und die ersten Düfte für den Körper, bevor im Jahr 1992 schließlich „Uomo“, das erste Parfum, auf den Markt kam.


Zu Beginn der 1990er Jahre blickten wir bereits auf etwa zehn Jahre an Tests und Experimenten aller Art zurück. Besonders intensiv hatten wir uns mit der Extraktion und Destillation von Aromastoffen, Tinkturen und Auszügen, Kompositionen und Mischungen jeglicher Form beschäftigt.

AIn den darauffolgenden Jahren wurde unsere im Zuge der ersten Produkte für die eigenen Kollektionen und der immer anspruchsvolleren Produktionsaufträge für andere Marken gereifte Erfahrung durch den Kontakt und die Zusammenarbeit mit einem einzigartigen und unbeschreiblichen Universum erweitert. Diese unermesslich reichhaltige und zu jener Zeit zum Glück noch besonders aktive und präsente Szene war die der florentinischen, toskanischen und italienischen Kunsthandwerker. Als große Erben der Werkstätten und Läden der Renaissance schlossen sie mit ihrem Tun nahtlos an die Talente einer unerreichten und unnachahmlichen Tradition an.

Die Zusammenarbeit mit ihnen ist und bleibt eine Erfahrung, die ich um nichts in der Welt missen möchte.


In jenen Jahren (besonders gegen Ende der 1980er Jahre und zu Beginn der 1990er Jahre) deckten die Handwerksunternehmen praktisch jeden Bereich des Produktionswissens ab. Als Handwerker unter Handwerkern durfte ich Stunden und mitunter Tage mit ihnen verbringen, um etwas zu schaffen, das es nicht gab, aber dazu diente, eine Lösung zu entdecken, eine andere Methode zu erfinden oder neue Produkte, Komponenten und Elemente zu entwickeln. Ein echter Handwerker liebt nämlich gute Probleme, die es zu lösen gilt, und gibt sich nicht zwangsläufig mit einer einfachen, vorgefertigten Antwort zufrieden. Was ist denn das viel zitierte Made in Italy im Grunde anderes als dieses Extra, das durch exzellente Handarbeit in Kombination mit künstlerischem Talent der besten italienischen und speziell der toskanischen Handwerker entsteht?

Wir arbeiteten Seite an Seite mit Leder- und Holzhandwerkern, mit Gold- und Silberschmieden oder Herstellern von Verschlüssen, Flakons und unterschiedlichen Behältern. Unser Weg führte uns zu Schachtelmachern und Produzenten von Etuis, zu Stanzern und Graveuren, in Glas- und Kristallwarenfabriken, Glasbläsereien und Werke, in denen Perlen, Metall, Papier oder Seide verarbeitet werden. Neben der sorgfältigen Handarbeit, mit der unsere Mitarbeiter die Produkte herstellen, verdanken unsere Kollektionen diesen talentierten Menschen sehr vieles.


Unter den von uns verwendeten Materialien blicken manche mit „noblem“ Ursprung auf eine jahrtausendealte Geschichte zurück und bringen ihre Schönheit und ihren besonderen Charakter im Einklang mit den Düften zum Ausdruck. Wie es das Schicksal so will, sind einige unter ihnen seit jeher das Erbe einer gesegneten Region, wie es die Toskana ist. Man denke nur an den Alabaster, der seit Urzeiten als Träger von Duft und Licht fungiert, an Kristallglas für besonders elegante Behälter oder an Silber für Pomander und besonders kostbare Komponenten. Nicht fehlen dürfen Leder und Seide für Etuis, Marmor für die Accessoires und verschiedenste Edelhölzer.

Von Beginn an wollten wir jedem Bestandteil unseres Produkts Bedeutung und Erlesenheit verleihen, und zwar über das höchstmögliche Niveau von expressiver Qualität und Wertschätzung für den Duft hinaus. Alles musste kostbar sein, Sammlerwert haben und für sich selbst etwas darstellen, denn das Gewöhnliche war austauschbar. So wurden diese Materialien zu perfekten Mitteln, um Wert und Reichtum so zum Ausdruck zu bringen, wie wir sie vermitteln wollten.


Heute, beinahe 25 Jahre nach dem offiziellen Beginn unserer Tätigkeit, sind wir froh über unser unglaublich großes Spektrum an wichtigen und vielfältigen Erfahrungen. Wir werden uns bemühen, Qualität und Schönheit unserer Angebote in Zukunft noch weiter zu verbessern.

Lorenzo Villoresi